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Creative Services Agreement – Muster und Checkliste

Ein Creative Services Agreement ist ein Rahmenvertrag (Framework Agreement), unter dem ein Unternehmen eine Agentur, ein Studio oder eine Produktionsfirma laufend mit kreativen Einzelaufträgen betraut – Videos, Kampagnen, Grafik, Text, Fotografie. Als Anwalt für Urheberrecht prüfen wir solche Verträge häufig auf Englisch, und zwar für beide Seiten: Auftraggeber wollen umfassende Rechte („all rights, buy-out“), Kreative wollen Vergütung und Haftung im Griff behalten.

Einsatzbereich

Typisch ist die Zusammenarbeit von Konzernen oder internationalen Marken mit deutschen Dienstleistern: Ein Rahmenvertrag legt die Grundbedingungen fest, einzelne Statements of Work (Individual Orders) regeln Leistung, Termine und Preis. Unser altes Muster war ein englischsprachiges Framework Agreement für Videoproduktionen nach deutschem Recht. Es enthielt die üblichen Bausteine – Rangfolge der Regelungen, Kostenvoranschlag, Rechteeinräumung, Haftung, Wettbewerbsverbot, Vertraulichkeit mit Vertragsstrafe, Aufbewahrung, Laufzeit. Wir haben die Kernklauseln unten in überarbeiteter Form zusammengefasst.

Ein englischer Vertragstext ändert nichts daran, dass bei Geltung deutschen Rechts die deutschen Begriffe maßgeblich sind: Ein „assignment of copyright“ ist nach deutschem Recht nicht möglich (§ 29 Abs. 1 UrhG); gemeint ist die Einräumung ausschließlicher Nutzungsrechte. Auch „work made for hire“ gibt es im deutschen Recht nicht.

Kommentierte Checkliste

RegelungspunktKommentar
Hierarchy of provisionsVorrang der Einzelaufträge vor dem Rahmenvertrag; Abwehr fremder AGB.
Rechteeinräumung (Grant of rights)Ausschließlich, übertragbar, unterlizenzierbar, räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkt – das ist das Auftraggeber-Ideal. Kreative sollten auf Zahlung als Bedingung für den Rechteübergang bestehen.
Nutzungsarten (Media)Konkrete Liste (TV, Online, Social, OOH, POS, Events, intern) statt Generalklausel. Unbekannte Nutzungsarten nur schriftlich (§ 31a UrhG), mit Widerrufsrecht des Urhebers und Vergütungsanspruch (§ 32c UrhG).
Background IPVorbestehende Tools, Templates, Musik, Stock-Material des Dienstleisters: einfache Lizenz statt Übertragung.
DrittmaterialMusik (GEMA/Verlage/Labels), Stock-Fotos, Fonts, Darsteller (Buy-out-Dauer!). Wer klärt, wer zahlt, wer haftet?
Territorium und DauerBei Darsteller- und Musiklizenzen oft befristet (z. B. 1 Jahr, DACH) – das muss im Einzelauftrag sichtbar sein.
Vergütung/BeteiligungFestpreis je Auftrag; Buy-out-Vergütung gesondert ausweisen. Bei außergewöhnlichem Erfolg bleibt § 32a UrhG anwendbar.
AbrechnungFälligkeit nach Abnahme; Abschlagszahlungen gegen Sicherheit; Fremdkosten nur gegen Beleg.
Namensnennung (Credits)In der Werbung häufig Verzicht; ein vollständiger Verzicht auf das Urheberpersönlichkeitsrecht ist nach deutschem Recht nicht möglich, wohl aber eine Abrede über Art und Ort der Nennung bzw. Nichtnennung.
Gewährleistung/Freistellung (Warranties/Indemnity)Wechselseitig: Dienstleister für eigene Inhalte, Auftraggeber für beigestelltes Material.
Haftung (Liability cap)Deckelung der Haftung (z. B. Auftragsvolumen eines Quartals) – nicht für Vorsatz, grobe Fahrlässigkeit und Personenschäden (§ 309 Nr. 7 BGB).
Wettbewerbsverbot (Non-compete)Sachlich und zeitlich begrenzen, sonst unwirksam; ggf. Konkurrentenliste als Anlage.
VertraulichkeitVertragsstrafe angemessen bemessen; in AGB besser mit „Hamburger Brauch“.
Kündigung (Term & Termination)Laufzeit, ordentliche Kündigung, Auswirkungen auf laufende Aufträge, Herausgabe von Rohmaterial.
Rechtswahl/Gerichtsstand/SchiedsklauselDeutsches Recht und deutscher Gerichtsstand oder Schiedsverfahren (DIS, ICC), bei US- oder asiatischen Partnern wegen Vollstreckbarkeit (New Yorker Übereinkommen) oft vorzugswürdig.

Typische Fehler

  • US-Klauseln ungeprüft übernommen: „Work made for hire“, „waiver of moral rights“ und „assignment“ laufen nach deutschem Recht teilweise ins Leere.
  • Buy-out ohne Drittrechte: Der Auftraggeber erhält „alle Rechte“ – aber die Musik- oder Darstellerlizenz ist auf ein Jahr begrenzt.
  • Unbegrenzte Freistellung: Freistellung „on first demand“ ohne Verschulden und ohne Deckel ist für kleine Dienstleister existenzbedrohend.
  • Kollidierende AGB: Beide Seiten verweisen auf ihre AGB, keiner hat sie wirksam einbezogen.

Bezug zu § 31 ff. UrhG

Auch bei umfassenden Buy-out-Klauseln gilt die Zweckübertragungslehre (§ 31 Abs. 5 UrhG); die Weiterübertragung und Unterlizenzierung erfordern die Zustimmung des Urhebers (§§ 34, 35 UrhG), die im Vertrag ausdrücklich erteilt werden sollte. Werden Kreative selbst als Urheber tätig, gelten die Vergütungs- und Auskunftsregeln (§§ 32 ff. UrhG) – und über § 32b UrhG auch bei Wahl ausländischen Rechts, wenn deutsche Nutzungshandlungen betroffen sind. Mehr unter Werbung und Werbung und Agenturen.

Kernklauseln (überarbeitet, englisch)

Note / Hinweis: These sample clauses are for orientation only, are not tailored to any specific case and do not replace individual legal advice. Das Muster ersetzt keine individuelle anwaltliche Prüfung.

1. Scope and precedence. This Framework Agreement governs all Individual Orders placed by [Client] or its affiliates with [Contractor] during its term. Specific terms of an Individual Order prevail over this Agreement. General terms of the Contractor apply only if accepted by the Client in writing.

2. Individual Orders. Each Individual Order shall specify deliverables, schedule, budget and any third-party materials. The Client is under no obligation to place orders; the Contractor is under no obligation to accept them. Agreed deadlines are of the essence.

3. Fees. Fees are agreed per Individual Order on the basis of a binding quote approved by the Client and include all costs of performance and the grant of rights under clause 4. Third-party costs are reimbursed only if listed in the approved quote and evidenced by invoices. Fees are payable within 30 days after acceptance and receipt of a proper invoice.

4. Rights of use. (a) Upon full payment, the Contractor grants the Client the exclusive, transferable and sublicensable right to use the work results in the media listed in the Individual Order [or: in all media], without restriction as to territory and time, including the right to edit and adapt them. (b) Pre-existing materials of the Contractor (Background IP) are licensed on a non-exclusive, royalty-free, perpetual basis to the extent necessary to use the work results. (c) Third-party materials are licensed only within the scope stated in the Individual Order; the Contractor shall disclose all restrictions in writing before use. (d) Credit to the authors shall be given [as follows: … / only where customary].

5. Warranties and indemnity. Each party warrants that materials it supplies do not infringe third-party rights and shall indemnify the other party against third-party claims and reasonable defence costs resulting from a culpable breach of this warranty. The indemnified party shall notify promptly and allow the indemnifying party to conduct the defence.

6. Liability. Liability for intent, gross negligence and injury to life, body or health is unlimited. Otherwise, liability for slight negligence is limited to breaches of material obligations and to the foreseeable, typical damage, capped at [amount].

7. Confidentiality. Each party shall keep confidential all non-public information received from the other party during and for [3] years after the term, subject to customary exceptions. [Optional: contractual penalty to be determined by the Client in its reasonable discretion and subject to court review.]

8. Term and termination. This Agreement runs until [date] and may be terminated by either party with [3] months’ notice. The right to terminate for cause remains unaffected. Ongoing Individual Orders remain governed by this Agreement until completion.

9. Governing law and disputes. This Agreement is governed by German law, excluding the UN Convention on Contracts for the International Sale of Goods. Place of jurisdiction is [city]. [Alternative: All disputes shall be finally settled under the Arbitration Rules of the German Arbitration Institute (DIS); seat: [city]; language: English.]


Review of creative agreements: Wir prüfen und verhandeln Creative Services, Production und Licence Agreements auf Deutsch und Englisch, mit unseren Kooperationsbüros in Wien, Zürich, London, Taiwan und Paris und unserem weltweiten Netzwerk. Englischsprachige Informationen finden Sie auf copylawyers.com. Telefon 0511.35 73 56-0.